HHU StartMedizinische FakultätmedRSDVeranstaltungen / KursemedRSD Symposium: Forschen unter Mikrogravitation

medRSD-Symposium 2014

 „Schwer, schwerer, schwerelos…“ - Forschen unter Mikrogravitation

 - unter diesem Motto trafen sich am 1. Oktober rund 100 Gäste im Rahmen des alljährlichen Symposiums der Medical Research School Düsseldorf, um Erfahrungen und Perspektiven des Forschens unter den Einflüssen der Mikrogravitation auszutauschen. Am Ende des Tages konnte kein Zweifel darüber aufkommen, dass die medizinische Forschung die Erde längst verlassen hat, gleichsam Kurs auf bislang unentdeckte Welten nimmt und zunehmend Erkenntnisse diskutiert, die allein unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit gewonnen werden können. Dabei wurden neben ganz praktischen Fragestellungen zur Fitness und Ernährung eines Astronauten auch Fragen zu den Einflüssen der Schwerelosigkeit auf den Bewegungsapparat oder der kognitiven Leistungsfähigkeit von Astronauten diskutiert.

Spannende Einblicke in den Arbeitsalltag von Raumfahrern gab Dr. Volker Damann, medizinischer Raumfahrtexperte und Mannschaftsarzt des Astronautencorps der European Space Agency (ESA). Frau PD Dr. Martina Heer berichtete von ihren Forschungen zum Einfluss von Ernährung auf Muskeln und Knochen und wie 5-Sterne-Köche mit „himmlischen Köstlichkeiten“ zur optimalen Ernährung von Astronauten beitragen. Prof. Dr. Stefan Schneider, Prorektor der Sporthochschule Köln, hielt ein humorvolles Plädoyer für Sport und Bewegung und verdeutlichte die neurokognitiven Einflüsse die körperliche Aktivität auf den menschlichen Körper hat.
Um die Frage „Wo bleibt das Salz?“ drehte sich der Vortrag von Dr. Jens Titze, Professor an der Vanderbilt University, Nashville, USA. Prof. Titze stellte aufregende Ergebnisse aus seinen erfolgreichen Forschungen zur nicht-osmotischen Natrium-Regulation vor.

Begeistert folgten die Zuhörer zum Höhepunkt des Abends den Ausführungen von Astronaut Dr. Reinhold Ewald. Der jetzige Leiter des Columbus-Kontrollzentrums berichtete von seiner MIR-Mission 1997. Mit Hilfe faszinierender Fotografien und Filmaufnahmen vermittelte er ein anschauliches Bild vom Leben an Bord der Raumstation. Der große Erfolg dieser Veranstaltung war neben den spannenden Vorträgen auch der großzügigen Unterstützung durch die Georg-Strohmeyer-Stiftung und nicht zuletzt der Vielzahl der Doktorandinnen und Doktoranden zu verdanken, die im Rahmen des Symposiums ihre Forschungsergebnisse in Form von hervorragenden Vorträgen und Postern vorstellten.

medRSD Posterpreis 2014

Jonas Butschan, aus dem Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie, hat mit seinem Beitrag „Veränderungen des metastatischen Potentials menschlicher Brustkrebszelllinien durch ionisierende Strahlung, in Abhängigkeit der extrazellulären Matrix“ den 1. Platz des Posterwettbewerbs belegt. Den Preisträger und die vortragenden Doktoranden laden wir zu einer Führung durch das ESA Astronautenzentrum in Köln ein!

Video mit Impressionen vom medRSD-Symposium 2014

Programm

Veranstaltungsprogramm
  • 9:30 Uhr
    Begrüßung Dekan - Univ.-Prof. Dr. Joachim Windolf
    Grußwort Rektor - Univ.-Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper

    9:45 Uhr
    „Himmlische Köstlichkeiten – Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das muskuloskelettale System“
    PD Dr. Martina Heer

    10:30 Uhr
    „Wie halten wir unsere Astronauten fit und gesund?“
    Dr. Volker Damann

    11:15 Uhr    Doktorandenvortrag, Tobias Driesen
    11:30 Uhr    Doktorandenvortrag, Laura Lennartz
    11:45 Uhr    Doktorandenvortrag, David Mally

    12:00–14:00 Uhr   
    Postersession und Lunchbuffet und Pause

    14:15 Uhr   
    „Von Kindern und Kosmonauten – neurokognitive Aspekte von Sport und Bewegung“
    Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider

    15:00 Uhr    Doktorandenvortrag, Antonia Kohlmeier
    15:15 Uhr    Doktorandenvortrag, Jan-Malte Placke
    15:30 Uhr    Doktorandenvortrag, Margit Annelie Wonsyld

    15:45–16:00 Uhr    Pause
        
    16:00 Uhr   
    „Salzreisen – über den Sinn und Unsinn meiner medizinischen Doktorarbeit“
    Prof. Dr. Jens Titze

    16:30 Uhr
    "All-Tage: Leben und Forschen auf der Internationalen Raumstation"
    Dr. Reinhold Ewald (Dt. Physiker und Raumfahrer)

    17:00 Uhr   
    Verleihung des Posterpreises
    Abschluss   

 

Gäste - Kurzbiografien

PD Dr. Martina Heer
  • PD Dr. Martina Heer ist seit 2009 Direktorin des Bereichs Nutritional Sciences am Institut für Stoffwechselforschung in Neuss. Als Ernährungswissenschaftlerin (Promotion 1988 und Habilitation 2004) mit dem Forschungsschwerpunkt Ernährungsphysiologie beschäftigt sie sich primär mit der Wirkung der Ernährung auf das Muskel-Skelett-System während eines Weltraumaufenthaltes.

    Von 1995 bis 2009 hat sie an zahlreichen Projekten mitgearbeitet, wie beispielsweise der internationalen Studie „Integrative Physiologie“ der European Space Agency (ESA) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Von 2003 bis 2009 leitete sie den Bereich Weltraumphysiologie am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR.

    Dr. Heer war an namhaften internationalen Instituten tätig, wie dem ANZAC Research Institute an der University of Sydney und dem Nutritional Biochemistry Lab der NASA JSC in Houston, Texas. Seit 2004 ist sie Privatdozentin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, seit 2007 Mitherausgeberin von Acta Astronautica und seit 2011 Vorsitzende der International Society of Gravitational Physiology.

    Für ihre Forschung und zahlreichen Publikationen erhielt Dr. Heer mehrere Auszeichnungen, u.a. den DLR-Wissenschaftspreis (2000) für ihre Arbeit über die Regulation des Flüssigkeits- und Salzhaushalts von Astronauten, sowie den Otto-Lilienthal-Preis (2007).

Dr. Volker Damann
  • Volker Damann, MD ist Leiter der Abteilung Raumfahrtmedizin der European Space Agency (ESA) im European Astronaut Center in Köln.

    Nach dem Studium der Humanmedizin in Marburg (Approbation 1985) arbeitete er in der Nuklearmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Marburg. Von 1989 bis 1995 war er als Raumfahrtmediziner im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln sowie für die ESA tätig. 1996 wurde er zum Leiter der raumfahrtmedizinischen Abteilung des Europäischen Astronautenzentrums ernannt. Von 2011 bis 2012 war er Vorsitzender der Space Medicine Association.

    Volker Damann ist seit 1996 Mitglied in der Aerospace Medical Association (AsMA), der Space Medicine Association und der Society of NASA Flight Surgeons. Seit 2014 ist er Fellow der AsMA und Mitglied im Executive Committee und Council.
    Seine langjährige Erfahrung als Mannschaftsarzt während Sojus- und Space-Shuttle-Missionen bringt Volker Damann in den Aufbau eines eigenen medizinischen Kontrollzentrums – bestehend aus Ärzten und Ingenieuren –, sowie in ein eigenständiges Studienprogramm im Rahmen einer Zusammenarbeit der ESA mit dem Kings College in London ein. Beide Initiativen haben die Weiterentwicklung der Raumfahrtmedizin zum Ziel. Herrn Damanns wissenschaftliches Engagement spiegelt sein Anliegen einer starken internationalen Kooperation wieder, die die Menschheit befähigen soll, den Weltraum zu erforschen und den Wissenshorizont zu erweitern.

Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider
  • Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider ist Leiter des Zentrums für integrative Physiologie im Weltraum (ZiP) und Prorektor der Deutschen Sporthochschule Köln.

    Seit Abschluss seines Studiums der Sportwissenschaft und Theologie (Promotion 2002 am Institut für Physiologie und Anatomie) arbeitet er in der Arbeitsgruppe Neurowissenschaft am Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Deutschen Sporthochschule Köln. Sein Hauptinteresse gilt der Bewegungswissenschaft und den neurokognitiven Prozessen bei veränderter Schwerkraft sowie den Zusammenhängen zwischen der Aktivität des Gehirns, Sport und Gesundheit. Schneider bekleidet eine außerordentliche Professur an der University of the Sunshine Coast, Queensland, Australien.

    Prof. Schneider ist Mitglied des European College of Sport Science (ECSS), von Sport Medicine Australia (SMA) und des American College of Sport Medicine (ACSM).

    Für seine Habilitationsschrift Exercise, brain cortical activity and mental health: localization, classification and practical implications erhielt er den Wissenschaftspreis des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Prof. Dr. Jens Titze
  • Prof. Dr. Jens Marc Titze ist seit 2011 Honorarprofessor am Vanderbilt University Medical Center in Nashville, Tennessee und Arbeitsgruppenleiter der Klinik für Nephrologie und Hypertensiologie am Universitätsklinikum Erlangen.

    Er studierte Humanmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach Forschungsaufenthalten an der Universität Ulm und Erlangen-Nürnberg (1997 bis 2011) wurde er 2011 zum Professor für Elektrolyt- und Kreislaufforschung der Universität Erlangen-Nürnberg berufen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Stoffwechselforschung, die Regulation von nicht-osmotischen Salzregulationen im Körper sowie ihre Auswirkungen auf Stoffwechsel und Blutdruck.

    Für seine Forschung erhielt Prof. Titze zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Preis der Deutschen Nierenstiftung für seine Forschung zu den Auswirkungen von Ovariektomie (OVX) auf osmotisch inaktive Natriumspeicher (2002), den Preis der American Heart Association (2005) und den Walter-Clawiter-Preis der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (2010) für seine Veröffentlichung zur Klärung der Rolle des Bindegewebes der Haut, des lymphatischen Systems und der Zellen des Immunsystems bei der Kochsalzaufnahme im Hinblick auf die Blutdruckregulation.

    In den Jahren 2011 bis 2014 erhielt er den Franz-Volhard-Preis sowie Preise des European Research Councils, der European Society of Microcirculation und der American Society of Clinical Investigation.

Dr. Reinhold Ewald
  • Dr. Reinhold Ewald, ESA Astronaut und langjähriger Leiter des Columbus
    Kontrollzentrums

    Nach seinem Studium der Experimentalphysik wurde er 1986 an der Universität zu Köln in Physik promoviert. Von 1983 bis 1987 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft in einem Projekt zum Aufbau und Betrieb eines 3-Meter-Radioteleskops der Universität zu Köln tätig. Von 1990 bis 1992 wurde er in Moskau zum Raumfahrer ausgebildet (Ersatzmann bei der Mission MIR’92). 1993 wurde er Programmbeauftragter des Direktors für das Raumfahrtprogramm des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für die Bereiche Extraterrestrik, Raumflug und Schwerelosigkeitsforschung.

    Am 10. Februar 1997 erfolgte sein erster Raumflug mit dem Raumschiff Sojus TM-25 zur MIR, wo er umfangreiche Experimente durchführte. 1999 war er Mitglied des Europäischen Astronauten-Corps (EAC) der ESA in Köln. Als Crew Operations Manager zeichnete er 2002 für die beiden ISS-Raumflüge mit ESA-Beteiligung verantwortlich, in den Jahren 2003 und 2004 außerdem für zwei weitere Sojusflüge. Im Jahr 2005 war er Mitglied des EAC und trainierte für einen Flug zur internationalen Raumstation. Bis 2011 war er im Columbus-Bodenkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München verantwortlich für die Organisation des Betriebs des europäischen Labormoduls.

    Er ist Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der International Academy of Astronautics. Er ist im Executive Committee der weltweiten Vereinigung der Raumfahrer sowie der Association of Space Explorers (ASE).
    1992 wurde Dr. Ewald mit dem russischen Orden der Völkerfreundschaft und 1997 mit der russischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Außerdem wurde ihm 1997 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen sowie 2011 die Medaille Für Verdienste in der Weltraumforschung des russischen Präsidenten Medwedew.

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